Eine gesellschaftstheoretische Perspektive auf rechts-libertärer Tech-Milliardäre in der Klimakrise
Vortrag von Carla Ostermayer
Samstag 14. November, 19 Uhr, Nürnberg
DESI Stadtteilzentrum, Brückenstraße 23
im Rahmen der Veranstaltung Dunkel.Fast.Nacht
Ausgehend vom fortdauernden Wunschtraum, „grenzenlos die Natur zu beherrschen“ (Horkheimer/Adorno), analysiert dieser Vortrag den Umgang rechts-libertärer Tech-Milliardäre mit der Klimakrise. Ihr Fokus auf die Kolonisierung des Mars, schwimmende Inseln und rein technologische Lösungen wird als regressive Krisenbearbeitung verstanden, die aktiv zur Verhinderung einer sozial-ökologischen Transformation in Zeiten der Klimakrise beiträgt. Rechts-libertäre Akteure wie Elon Musk oder Peter Thiel üben immensen Einfluss auf die Weltpolitik aus. Sie suggerieren, technologische Lösungen könnten die Auswirkungen der Klimakrise auch ohne politische Intervention oder ökonomische und gesellschaftliche Transformation abfedern.
Damit wirken ihre Ansichten wie ein Brennglas: Sie legen gesamtgesellschaftlich vorhandene Strukturen im Verhältnis zur Natur offen, die mitursächlich für die heutige Klimakrise sind. Ihre Antworten auf die Klimakrise schließen an ein zentrales Versprechen der Moderne an: die beherrschbare Natur. Dies zeigt sich in drei Dimensionen regressiver Krisenbearbeitung: (1) im Glauben an Technik als Machbarkeitsversprechen, (2) in Fluchttendenzen, die Sicherheit für wenige versprechen, und (3) in einer Zukunftsfokussierung, die alles auf eine optimierte Zukunft für eine kleine Elite ausrichtet. Sie bieten für Menschen, die in der Klimakrise Angst, Ohnmacht und Kontrollverlust erleben, eine Identifikationsfigur an. Sie verspricht affektive Entlastung und erlaubt es, die eigene Involviertheit, Schuld und Abhängigkeit gegenüber anderen und der Natur abzuspalten.
Die Klimakrise wird nicht als gesellschaftspolitisches Problem, sondern als technisches Problem und in kapitalistischer Fortschrittslogik bearbeitet. Den meisten Menschen wird weder die Identifikation mit der Sozialfigur noch die regressive Krisenbewältigung die versprochene Lösung bieten. Anders als Tech-Milliardäre können sie sich keine Insel, keinen Bunker und keinen Flug zum Mars leisten. Stattdessen wird eine restriktive Migrationspolitik gefordert, die bestehende Privilegien verteidigen soll und Teil der aktuellen Autoritarisierung ist.
Der Vortrag beruht auf dem gleichnamigen Text der Autorin, der hier frei zugänglich ist

