02.04.2026 

Sommerseminar der Gruppe Krisis

29. Juli bis 2. August 2026
in der Jugendherberge AntoniQ in Mühlhausen/Thür.

Alle reden von der „Multiplen Krise“. Wir auch. Aber worum handelt es dabei überhaupt? Und was liegt ihr zugrunde? Wir sehen darin eine fundamentale Krise der warenproduzierenden Gesellschaft, die verschiedene Dimensionen hat. Auf unserem Sommerseminar wollen wir uns mit einigen dieser Dimensionen auseinandersetzen. Wir fragen, wie ökologische, wirtschaftliche, subjektive und politische Prozesse ineinandergreifen und welche gesellschaftlichen Dynamiken sich daraus ergeben. Welche Verbindungen bestehen zwischen Klimakrise und autoritärem Backlash? Warum geht die Sehnsucht nach starken Führungsfiguren häufig mit Technikbegeisterung und dem Hoffen auf technische Lösungen einher? Und wie wirken sich all diese Entwicklungen auf die Einzelnen aus: sozialpsychologisch, emotional und politisch?

Zugleich möchten wir diskutieren, warum traditionelle linke Antworten an ihre Grenzen stoßen. Klassenkampfromantik, Identitätspolitik oder die nostalgische Anrufung vergangener Kämpfe greifen jedenfalls zu kurz. Auch die Konzepte gesellschaftlicher Emanzipation befinden sich in der Krise und müssen neu gedacht werden. Wie aber kann ein neuer Universalismus aussehen, der nicht auf Ausschluss und Gewalt beruht und eine Perspektive jenseits der zerstörerischen Dynamiken des Kapitalismus eröffnet?

Eingeladen sind alle, die sich mit den bestehenden Verhältnissen nicht abfinden und ihnen gesellschaftskritisch zu Leibe rücken möchten. Mitzubringen ist nur die Lust auf gemeinsame theoretische Reflexion, kontroverse Debatten und gemeinsame Freizeitaktivitäten. Das Seminar beginnt am Mittwoch den 29. Juli um 15 Uhr mit einem gemeinsamen Start, bei dem wir uns auf den Ablauf des Seminars und verbindliche Verhaltensregeln verständigen wollen. Bitte versucht, rechtzeitig anzureisen um dabei zu sein!

Programm

Mittwoch 29.7.
Vormittag: Anreise

15.00 Uhr: Gemeinsamer Seminar-Beginn

  • Absprachen zur Seminar-Organisation, Vorstellung des Hauses und seiner Umgebung etc.
  • Was tun wir, wenn wir Theorie machen? Gesprächsrunde über unterschiedliche Zugänge zur Theorie, Geschlechterverhältnisse und Redeverhalten in theoretischen Diskussionen.

20 Uhr: Abendprogramm mit gegenseitigem Kennenlernen

Donnerstag 30.7.
9.30 – 10.00 Uhr: Plenum

10.00 – 12.30 Uhr: Workshop-Phase 1

  1. Einführung in die Wertkritik (Julian Bierwirth)
  2. Nick Gietinger: Formprinzipien moderner Wissenschaft (Nick Gietinger)

15.30 – 18.00 Uhr: Workshop-Phase 2

  1. Die klerikale Rechte im Krisenprozess (Minh Schredle)
  2. Das Soziale in der Einsamkeit. Zur Konstitution von Einsamkeit in der Warengesellschaft (Max Sattler)
  3. Transfeindlichkeit im warenproduzierenden Patriarchat und seiner Krise (Jonna Klick)

20.00 Uhr: Vom Hegemon zum Zerstörer. Wie die USA die eigene Weltordnung zerschlagen. Vortrag und Diskussion (Ernst Lohoff)

Freitag 31.7.
9.30 – 10.00 Uhr: Plenum

Danach: Open Space/ Freizeit. Hier können in einem offenen Format Themen, Texte und Fragestellungen diskutiert werden, die ihr mitbringt oder die sich auf dem Seminar ergeben. Oder ihr geht baden oder macht, was ihr möchtet.

15.30 – 18.00 Uhr: Workshop-Phase 3

  1. Beziehungsstörung Kapitalismus. Zum Bezug von Stoff und Form in der kritischen Gesellschaftstheorie (Karl-Heinz Lewed)
  2. Bitch Hunt: Warum wir es lieben, Frauen zu hassen. Lesung mit Diskussion (Veronika Kracher)

20.00 Uhr: Kinoabend (lasst euch überraschen)

Samstag 1.8.
9.30 – 10.00 Uhr: Plenum

10.00 – 12.30 Uhr: Workshops

  1. Die Zukunft des Endes. Wohin treibt die fundamentale Krise der kapitalistischen Gesellschaft? (Norbert Trenkle)
  2. Die Natur des bürgerlichen Subjekts. Zu Genese und Formwandel des modernen Rassismus (Leo Roepert)
  3. KI und gesellschaftliche Herrschaft. Eine Annäherung (Tilde Klett & Ernst Lohoff)

15.30 – 18.00 Uhr: Workshops

  1. Antisemitismus und Geschlecht (Cordula Trunk)
  2. Das Grauen, jemand sein zu müssen. Abgewehrte Leiderfahrungen und gesellschaftliche Integration (Tom Thümmler)

20.00 Uhr: World-Cafe zu allen Fragen, die ihr noch gerne diskutieren möchtet.

Sonntag 2.8.
9.30 – 11.00 Uhr: Warum macht die Arbeiterklasse keine Revolution? Über falsche Kapitalismuskritik und antifaschistische Essentials. Vortrag und Diskussion (Lothar Galow-Bergemann)

11.00 – 12.00 Uhr: Feedbackrunde
Danach: Abreise

Organisatorisches

Das Seminar findet in der Freien Jugendherberge AntoniQ in Mühlhausen/Thür. statt, die ihr mit dem ÖPNV gut erreichen könnt (Infos zur Anfahrt hier) Das Haus befindet sich in einem mittelalterlichen Spital/Dorf mit sehr schönem Gelände und liegt mitten in Stadt. Für die Unterbringung stehen überwiegend Mehrbettzimmer (3 – 4 Personen) und einige Doppelzimmer zur Verfügung. Einige der Zimmer werden nur für FLINTA sein. Für die Übernachtung müsst ihr ein dreiteiliges Bettzeug mitbringen. Um die Verpflegung (Vollpension) kümmert sich das Haus.

Jeden Morgen führen wir ein Plenum durch, auf dem wir Absprachen treffen, Feedback geben und mögliche Probleme klären können. Wir haben einen Verhaltenskodex und ein Awareness-Konzept erstellt, um einen solidarischen und diskriminierungsfreien Umgang zu gewährleisten. Bei Bedarf kann das Awareness-Team angesprochen werden.

Der reguläre Beitrag für Teilnahme, Verpflegung und Unterbringung beträgt 110 €, der ermäßigte Beitrag liegt bei 80 € (oder weniger, je nach Selbsteinschätzung). Wer nicht soviel Geld hat, kann umsonst teilnehmen. Um das zu ermöglichen bitten wir alle, die finanziell besser dastehen, um einen Solibeitrag (150 Euro oder wenn möglich auch mehr). Wer nicht an allen vier Tagen teilnehmen kann, sage uns bitte Bescheid. Wir schauen dann, ob es sich einrichten lässt.

Anmeldung bitte per Mail an sommerseminar@krisis.org .

Das Sommerseminar wird veranstaltet von der Gruppe Krisis in Kooperation mit SJD Die Falken, Bezirksverband Braunschweig.