23.10.2022 

Bemerkungen zur Marxschen Kritik und ihrer „Methode“

Die Beziehung von Form und Inhalt in der Kritik der politischen Ökonomie

von Karl-Heinz Lewed

Krisis-Diskussionspapier 1/2022 (Oktober 2022)
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Zitation: Lewed, Karl-Heinz: Bemerkungen zur Marxschen Kritik und ihrer „Methode“. Die Beziehung von Form und Inhalt in der Kritik der politischen Ökonomie. In: krisis.org 23.10.2022, https://www.krisis.org/2022/bemerkungen-zur-marxschen-kritik-und-ihrer-methode/

Vorbemerkung

Die Frage nach der „Methode“ der Marxschen Theorie, d.h. nach ihrer inneren Struktur und ihrem logischen Aufbau, ist ein Feld, mit dem sich die Wertkritik bisher nur unzureichend auseinandergesetzt hat. Die letzte ausgearbeitete wertkritische Erörterung zu diesem Komplex stammt von Robert Kurz. In seinem Buch „Geld ohne Wert“ versucht er nichts weniger, als die begriffliche Analyse und Darstellungsweise einer kritischen Theorie des Kapitalismus fundamental neu zu bestimmen. Dabei stellt er wesentliche methodische Elemente der Marxschen Kritik in Frage. Marx habe, so der Einwand von Kurz, in seiner Theorie unangemessenerweise den Standpunkt des „methodologischen Individualismus“ eingenommen. Das bedeutet, dass sich die Marxsche Analyse im Hinblick auf die dort verfolgte Methode an einem idealtypisch Einzelnen (siehe Kurz 2012, S. 59ff.) orientiere, das zugleich als Modell für den Gesamtprozess gelte. Mit dieser Vorstellung einer Keim- oder Modellform, die das Ganze schon in sich repräsentiere, habe sich Marx aber den Weg verbaut, einen adäquaten Begriff des kapitalistischen Gesamtzusammenhangs zu entwickeln (siehe Kurz 2012, S. 168f.). Denn dieser, so Kurz, lässt sich nicht als idealtypisches Modell beschreiben, sondern muss als Totalität begriffen werden.
Ernst Lohoff hat in seiner Kritik der Kurzschen Perspektive unter dem Titel „Zwei Bücher, zwei Standpunkte“ (2017) schon auf einige wichtige Aspekte der problematischen Kurzschen Grundannahmen verwiesen, ohne freilich ausführlicher das damit angesprochene Themenfeld darzustellen.

Gemeinhin wird im linken Diskurs dieses Feld als Frage nach der Marxschen „Methode“1 bezeichnet. Der Begriff der „Methode“ ist durchaus mit einem gewissen Vorbehalt belastet. Denn im allgemein verbreiteten positivistischen Wissenschaftsverständnis gilt „Methode“ letztlich als ein abstraktes Verfahren, das an den untersuchten Gegenstand äußerlich angelegt wird, ohne dabei die Eigenlogik desselben mit einzubeziehen. Das Charakteristische an der Marxschen Kritik ist es dagegen, so die These, die ich hier verfolgen will, dass sie genau dieser äußerlichen „Methode“ widerspricht. D. h. die spezifische Form der Analyse von Marx ist ihrem Gegenstand nicht äußerlich, sondern entspricht vielmehr der inneren Struktur des Kapitalismus. Ziel der folgenden Bemerkungen ist es, die Spezifik der Marxschen kritischen Theorie und zugleich ihrer methodologischen Prämissen zu skizzieren. Am Ende wird dann nochmals auf die Kritik von Robert Kurz an Marx zurückzukommen sein. Es sei hier schon einmal vorab bemerkt, dass der Vorwurf des „methodologischen Individualismus“ nicht zu halten ist. Kurz zielt letztlich am Kern der Marxschen Kritik vorbei, weil er die verschiedenen Ebenen der Marxschen Argumentation bzw. Darstellung nicht adäquat auseinanderhält.

Was diese Darstellungslogik und die Marxsche „Methode“ insgesamt angeht, hatten schon vor längerer Zeit beispielsweise Autoren wie Gerhard Stapelfeldt oder Helmut Brentel eingehende Untersuchungen vorgelegt (siehe Stapelfeldt 2009 und Brentel 1989). Aber auch Hans Georg Backhaus rückte in seiner grundlegenden Untersuchung „Die Dialektik der Wertform“ diese Frage ins Zentrum seiner theoretischen Überlegungen.2 Die folgenden Bemerkungen knüpfen an diese Untersuchungen über die Marxsche „Methode“ und Darstellungsweise an, gehen dann aber über diese in entscheidender Weise hinaus.

Bei der Frage nach der inneren, „methodischen“ Struktur der Marxschen Kritik handelt es sich zweifellos um einen zentralen Aspekt seiner Theorie, weil sich in der „Methode“ zugleich das Problem des warenförmigen Fetischismus reflektiert. Marx bestimmt das verselbständigte Fetischwesen der kapitalistischen Gesellschaft auch als „automatisches Subjekt“, als „sich selbst bewegende Substanz“ oder als „prozessierenden Wert“. Die Tatsache, dass im Kapitalismus die objektiven Formen dieses Wesens nicht durchsichtig und dem Bewusstsein zugänglich sind, sondern sich vielmehr hinter dem Rücken der Handelnden herstellen, muss sich auch in der „Methode“ niederschlagen, mit der diese Struktur analysiert wird.
Es ist nun für eine Kritik dieser Kategorien von entscheidender Bedeutung, dass sich das Wesen, also der Prozess der Wertverwertung, in bestimmten äußerlichen Formen – Marx nennt sie auch „einfache Formen“ – darstellt und darstellen muss. Diese Formen erscheinen an der gesellschaftlichen Oberfläche als von Natur aus gegeben und verdecken dadurch zugleich den hinter den Erscheinungen sich vollziehenden, wesenhaften Prozess. Beispielsweise erscheint der Wert als eine dingliche Eigenschaft der Ware, die dieser von Natur aus zukommt, und nicht als Ausdruck einer bestimmten gesellschaftlichen Beziehungs- und Vermittlungsform. Damit wird aber das gesellschaftliche Verhältnis verschleiert und ist für die Handelnden nicht mehr transparent. Anders ausgedrückt, das Wesen erschließt sich nicht unmittelbar, sondern nur über die begriffliche Entwicklung bzw. deren Analyse. Für die Formulierung einer fundamentalen Kritik ist es demnach zentral, nicht bei den erscheinenden Formen stehen zu bleiben.

Der Anfang und Ausgangspunkt der kritischen Darstellung kann aber zunächst nur die erscheinende Form der fetischistischen Oberfläche sein. Dieser Anfang ist insofern abstrakt, als er nur ein erscheinendes Moment im Gesamtprozess der Bewegung der „prozessierenden Substanz“ darstellt. „Die einfachste ökonomische Kategorie, sage z. B. der Tauschwert (…) kann nie existieren außer als abstrakte, einseitige Beziehung eines schon gegebenen konkreten, lebendigen Ganzen“ (Marx, Grundrisse, S. 22).

Die abstrakten und einfachen Bestimmungen, die am Anfang der Analyse stehen, sind stets Momente der kapitalistischen Totalität bzw. Erscheinungsformen der „prozessierenden Substanz“. Diese unmittelbaren Erscheinungen gilt es durch kategoriale Entwicklung aufzuheben und als Momente eines in sich vermittelten Gesamtzusammenhang aufzuzeigen. D.h. ausgehend von den anfänglichen, notwendig abstrakten Bestimmungen der kapitalistischen Oberfläche erschließt sich erst im Zuge der weiteren kategorialen Kritik die gesellschaftliche Totalität der Warenform. Im Zuge der kategorialen Entwicklung verändert sich freilich der Bedeutungsgehalt der abstrakten Formen des Anfangs. So stellt sich beispielsweise die zunächst abstrakt bestimmte Kategorie der Privatproduktion im Fortgang der Analyse als differenzierte Bestimmung des Verhältnisses zwischen toter und lebendiger Arbeit heraus. Aus der Perspektive des Gesamtprozesses wird dann im Rückblick auf die Anfangsbestimmungen die Stellung dieses Anfangs und dessen Bedeutung und Vermitteltheit deutlich.

Das skizzierte methodische Vorgehen von Marx unterscheidet sich fundamental vom allgemein herrschenden bürgerlich-wissenschaftlichen und positivistischen Methodenverständnis. Für dieses sind die gesellschaftlichen Phänomene nur als positive Tatsachen zu konstatieren und zu beschreiben. Dem positivistischen Bewusstsein zerfällt die Wirklichkeit in verschiedene Bereiche, die unabhängig voneinander existieren und nur äußerlich miteinander verknüpft sind. Erscheint ein neues Phänomen, so wird dieses einfach den anderen hinzuaddiert, so dass sich die Gesamtheit gesellschaftlicher Verhältnisse als Sammelsurium verschiedener sozialer Bereiche und Phänomene darstellt. Die jeweilige „Wirklichkeit“ der an sich getrennten Bereiche lässt sich nach dem äußerlich positivistischem Verständnis nur durch ihren angeblich idealtypischen Charakter beschreiben. Auf diese Art werden Modelle entwickelt, deren Idealtypus die Wirklichkeit zu erfassen sucht, jedoch immer nur vorübergehende Geltung haben und nur so lange Gültigkeit beanspruchen kann, bis ein neues, vermeintlich besseres Modell die Wirklichkeit „angemessener“ beschreibt.3 Fälschlicherweise hat Robert Kurz diese bürgerlich-wissenschaftliche Perspektive eines Idealtypus auch der Marxschen Analyse unterstellt. Wie schon erwähnt, hebt sich aber die Kritik von Marx mit ihrer Unterscheidung zwischen Wesen und erscheinender Oberfläche fundamental von einem positivistischen Wissenschaftsverständnis ab, ja sie ist das gerade Gegenteil davon.

Vor dem Hintergrund der bisherigen Ausführungen wird indes schon deutlich, dass in der Marxschen Kritik sowohl dem Verhältnis von äußerlicher Form, in der sich das Wesen bzw. die Substanz reflektiert, als auch dieser Substanz eine grundlegende Bedeutung zukommt.

Diese Reflexivität des warenförmigen Fetischsystems ist nun auch für die kritische Analyse von Marx und ihrer Form der Darstellung konstitutiv. D. h. die spezifische Struktur des Kapitalismus als Fetischzusammenhang verdinglichter, äußerlicher Formen, in denen sich ein wesentlicher Gehalt ausdrückt, spiegelt sich in einer entsprechenden Struktur der Theorie und ihrer Darstellung wider.
Werden die Formen indes für sich genommen und nicht mit dem Gesamtprozess vermittelt gedacht und bestimmt, so wird der Charakter dieser Formen grundsätzlich verfehlt. Die Analyse bleibt dem „unmittelbaren Sein“ (Marx), d.h. den erscheinenden Formen, verhaftet und darin befangen, insofern sie diese für das Gesamte der gesellschaftlichen Beziehungen nimmt. Bezieht die Kritik diese unmittelbaren Formen nicht auf den Gesamtzusammenhang, so bleiben diese dann „reiner Schein“ (Grundrisse, S. 920), wie Marx dies bezüglich der Zirkulation ausdrückt. Wird der Wert beispielsweise nicht als Darstellung der abstrakten Arbeit gefasst, sondern als Ergebnis des Tauschprozesses, so unterliegt die Analyse selbst der fetischistischen Erscheinungsweise, hier dem Schein der Tauschverhältnisse.

Als erstes Resümee können wir somit festhalten, dass sich in der Darstellungsweise der Kategorien der Kritik der politischen Ökonomie die fetischistische, innere Struktur des Kapitalismus reflektieren muss. Erst unter dieser Maßgabe kann aus den abstrakten Formen der kapitalistischen Oberfläche die Totalität des Gesamtzusammenhangs entwickelt werden. Der Fetischismus ist in der Marxschen Analyse nicht nur inhaltlich zentral, sondern er ist auch der versteckte Leitfaden für die Form der Darstellung und damit für die „Methode“ seiner Kritik. Eine weitere zentrale Dimension der „Methode“ von Marx ergibt sich daraus, dass diese Reflexivität der Kategorien keine nur „äußerliche Reflexion“ ist, um hier einen Hegelschen Ausdruck zu verwenden, sondern eine „bestimmende“ bzw. sich selbst bestimmende. D. h. die Arbeit stellt sich nicht nur im Wert der Ware als äußere Gegenständlichkeit dar, sondern eine zusätzliche Dimension des Verhältnisses besteht darin, dass der Wert bzw. die Arbeit auf sich selbst rückbezogen ist. Wir haben es also mit einer Rückkopplungsbewegung zu tun. Erst mit dieser Selbstreflexivität ist aber die Totalität des Gesamtprozesses begrifflich erfasst. In den folgenden Bemerkungen versuche ich darzustellen, dass die Marxsche Perspektive die notwendigen reflexiven Bestimmungen enthält, um die fetischistische Grundstruktur theoretisch adäquat zu bestimmen.

Die folgenden Bemerkungen stellen keine ausgreifende Untersuchung dar, sie umreißen aber in komprimierter Form die innere und damit spezifische Struktur der Marxschen „Methode“. Ein zentraler Schlüssel – wie wir noch näher sehen werden – für das Erschließen der Fetischstruktur des Kapitalismus, besteht im Marxschen Werk im Verhältnis zwischen den einfachen und den entwickelten Formen gesellschaftlicher Beziehungen.

Die bisher skizzierten „methodischen“ Prämissen der Marxschen Kritik gehen indes über jenen Entwurf hinaus, den Marx selbst in der Einleitung der Grundrisse skizziert hatte und auf den in den einschlägigen Diskussionen über die „Methoden“-Frage gerne verwiesen wird. In dieser Einleitung beschränkt sich Marx meiner Ansicht nach lediglich auf einen bestimmten Aspekt seiner „Methode.“ Er erörtert dort, wie das Konkrete, gefasst als Gesamtheit der Verhältnisse, sich von den abstrakt einzelnen Bestimmungen her entwickeln lässt. Dieses Konkrete ist im Denken bzw. der Theorie die „Zusammenfassung vieler Bestimmungen“ als „Einheit des Mannigfaltigen“ (Grundrisse, S. 21). Ausgegangen wird von einem übergreifenden Realen, das Marx in der Einleitung am Beispiel des Begriffs der „Bevölkerung“ veranschaulicht. Von der unmittelbaren Vorstellung dieses Begriffs der „Bevölkerung“, die noch keine näheren Bestimmungen enthält, geht die Untersuchung zu immer abstrakteren Begriffen über, wie Klassenstruktur, Teilung der Arbeit, Austausch etc. Ist schließlich der Begriff der „Bevölkerung“ mittels der abstraktesten Kategorien bestimmt, so wird „im Weg des Denkens“ (ebd., S. 22) umgekehrt verfahren. Mit Hilfe der abstrakten Bestimmungen vollführt die theoretische Rekonstruktion eine „Reproduktion des Konkreten“ als „Zusammenfassung vieler Bestimmungen“ (ebd.)

Diese kurze Skizze von Marx über die „Methode der Politischen Ökonomie“ (ebd., S. 21) ist sehr allgemein gefasst und beschreibt keineswegs die spezifische innere Struktur, den Aufbau und die Darstellung seiner Analyse; schon gar nicht erfasst sie das Problem des Fetischismus, also die Frage von Wesen und verhüllender Erscheinung. Bliebe die fundamentale Kritik bei diesem „methodischen“ Selbstverständnis stehen, das Konkrete ganz allgemein aus den abstrakten Bestimmungen zu entwickeln, so wäre die wesentliche Dimension und das Spezifische der Marxschen „Methode“ verkannt.

1. Die Arbeit, d.h. der Inhalt der Vermittlung, erscheint in der Form des Werts

Eine grundlegende Ebene der Marxschen Kritik ist die des Zusammenhangs von Inhalt und Form. Am Anfang der Analyse im Kapital stellt Marx explizit die für das Verständnis der Kritik der Politischen Ökonomie zentrale Frage nach dem Inhalt, der sich in der Form des Werts darstellt: „Die politische Ökonomie hat nun zwar, wenn auch unvollkommen Wert und Wertgröße analysiert und den in diesen Formen versteckten Inhalt entdeckt. Sie hat niemals auch nur die Frage gestellt, warum dieser Inhalt jene Form annimmt, warum sich also die Arbeit im Wert und das Maß der Arbeit durch ihre Zeitdauer in der Wertgröße des Arbeitsprodukts darstellt?“ (MEW 23, S. 94f.).4
In diesem Satz deutet Marx an, dass die adäquate Bestimmung des Verhältnisses von Inhalt und Form die Kritik an der klassischen politischen Ökonomie bereits enthält. Letztere hat zwar die Arbeit als den Inhalt des Werts entdeckt, aber sie ontologisiert zugleich die ökonomischen Kategorien und kann deshalb ihren spezifischen Gehalt nicht bestimmen. Erst mit der historisch-spezifischen Bestimmung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Kapitalismus als das Verhältnis von Privatproduzenten wird die Beziehung zwischen den ökonomischen Kategorien transparent, ja durch die Bestimmung verstehen wir erst die Genese dieses Verhältnisses. Die Vermittlung über Arbeit als Verhältnis der Privatproduktion bedeutet zugleich, dass das gesellschaftliche Gefüge in vereinzelte Einzelne auseinanderfällt.5 D. h. vermitteln sich die Menschen über Arbeit, so werden diese notwendig zu Einzelnen, die ihre jeweiligen Privatinteressen als solche verfolgen. Diese Privatproduktion ist der Grund dafür, dass sich die Arbeit am Produkt als Wert darstellt. D. h. die Arbeit, die wir auch als Inhalt der Vermittlung fassen können, vergegenständlicht sich in spezifischer Form, in der Form des Werts. Im Austauschprozess werden dann die Waren des einen Privatproduzenten gegen die des anderen getauscht. Diese kurze Zusammenfassung des Verhältnisses zwischen Inhalt (abstrakte Arbeit) und Form (Wert) soll im Folgenden näher erläutert werden.

a) Arbeit als Vermittlung

Im System gesellschaftlicher Vermittlung über Arbeit muss sich diese notwendig auch in Waren darstellen. Der Prozess der Vergegenständlichung dieser Vermittlung drückt sich als Wertgegenständlichkeit an den Produkten aus. Somit sind die Einzelnen stets in vergegenständlichter, verdinglichter Form vergesellschaftet. Der Inhalt, die Arbeit, erscheint in versachlichter Form, als dingliche Darstellungsform der lebendigen Arbeit, in der Wertgegenständlichkeit des Produkts. Die stofflich-dingliche Dimension der Ware und die gesellschaftlich-vermittelnde Dimension bilden den „Doppelcharakter“ der Ware wie der warenproduzierenden Arbeit. Sie sind in ihrer Gemeinsamkeit der „Springpunkt“ für das Verständnis der Kritik der Politischen Ökonomie, wie Marx sagt. Vergegenständlichung und Wertgegenständlichkeit sind also die notwendige Ausdrucksweise und Erscheinungsform sozialer Beziehungen im Kapitalismus. Der wertförmige Charakter der Arbeitsprodukte, die Ware, resultiert aus dem gesellschaftlichen Vermitteltsein über Arbeit. Insofern ist die Arbeit als Inhalt der Beziehung auch die Voraussetzung der Form, also des Werts bzw. der Wertgegenständlichkeit. Auf dieser Ebene der Analyse folgt aus der Arbeit als historisch-spezifischer Form der Vermittlung zunächst die Form der Wertgegenständlichkeit der Arbeitsprodukte. Neben der qualitativen Dimension warenförmiger Verhältnisse, also dem Vermitteltsein über Arbeit und Waren, kommt den Arbeiten bzw. den Waren eine quantitative Dimension zu: In ihnen ist ein bestimmtes Maß an durchschnittlich gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit dargestellt.

Die Frage, die sich hieran anschließt, ist indes, inwiefern die Arbeit selbst nicht nur Voraussetzung, sondern vielmehr Resultat des Kapital- und Wertbildungsprozesses ist. Denn in den bisherigen Bestimmungen ist die Form (Wert) aus einem bestimmten Inhalt (Arbeit) bloß abgeleitet worden, was dem Begriff der „äußerlichen Reflexion“ bei Hegel entspricht. D. h. Form und Inhalt sind auf dieser Ebene der Analyse noch nicht selbstreflexiv aufeinander bezogen. In Hegelscher Terminologie wäre letzteres die in sich reflektierte oder „bestimmende Reflexion“.

b) Die Zirkulation der Ware

Wie weiter oben bemerkt, sind die Einzelnen in der kapitalistischen Vergesellschaftungsform als Arbeitssubjekte gesetzt, die sich über ihre jeweiligen Arbeitsprodukte vermitteln. Das Geld ist die allgemeine Entwicklungsform der Wertgegenständlichkeit, die sich in einer besonderen Ware als allgemeiner Ware äußerlich darstellt. Es vermittelt die Produkte der Vergegenständlichung der Privatproduzenten als herausgesetzte allgemeine Ware.

In der Bewegung W-G-W wird der gesellschaftliche Prozess beschrieben, mit der sich die einzelnen Privatproduzenten in der Zirkulation vermitteln: Die jeweils eigene vergegenständlichte Arbeit tauscht sich gegen die vergegenständlichte Arbeit eines anderen aus. Marx nennt die Bewegung W-G-W auch „einfache Zirkulation“ und die Kategorien auf dieser Ebene „einfache Kategorien“.

Die Substanz, also die abstrakte Arbeit des einen Produkts, wird durch das Geld mit der Substanz eines anderen vermittelt. Auf dem Markt treffen sich aber Waren, die jeweils schon Wertgegenstände sind. Der Begriff der abstrakten Arbeit als gesellschaftliche Vermittlung ist so bestimmt, dass die Arbeit des einen Privatproduzenten sich mit der Arbeit des anderen austauscht. Ziel der Tätigkeiten ist jeweils die Erlangung eines Gebrauchswerts.

Tatsächlich aber erscheint der gesellschaftliche Prozess nur als W-G-W. Die einfache Zirkulation muss begriffen werden als Erscheinungsform eines dahinter liegenden Wesens. Für die Kritik ist es zentral, die Vermitteltheit dieser Form, die als einfache und natürliche Form gesellschaftlicher Beziehungen erscheint, mit der Form der Kapitalbewegung insgesamt aufzuzeigen. Die einfache Vermittlung bzw. die einfache Warenproduktion ist nur der systematische Schein, den der Gesamtprozess der Wertverwertung erzeugt. Kritik muss also nachweisen können, inwiefern die Einfachheit der Verhältnisse ideologischer Schein und zwar notwendiger Schein ist.

Tatsächlich ist diese Bestimmung der Zirkulation als einfache Vermittlung Teil der fetischistischen Erscheinungsweise kapitalistischer Verhältnisse und liefert wahrscheinlich das gängigste Vorurteil in Bezug auf das ökonomische System. Als positive Arbeitswerttheorie und als Vorstellung einer einfachen Warenproduktion ist es Allgemeingut des gesunden Menschenverstandes wie des Alltagsbewusstseins. Marx formulierte schon zu seiner Zeit eine scharfe Kritik an den damaligen Vertretern einer positiven Theorie des Arbeitswerts.6

Auf dieser Ebene der gesellschaftlichen Substanzbestimmung der Vermittlung über Arbeit scheint es so bzw. kann es so scheinen, dass die Arbeit das gesellschaftliche Verhältnis konstituiert, wobei die Einzelnen durchaus die Subjekte dieses Prozesses wären. Dies ist aber nur der fetischistische Schein der einfachen Formen. Deswegen gilt es zu zeigen, dass – wenn die Arbeit die Substanz und den Inhalt der sozialen Beziehungen bildet – dies zugleich die Verselbständigung dieser Beziehungen bedeutet. Die Arbeit ist eben Substanz und Subjekt zugleich und damit unterliegen die Einzelnen der Dynamik des automatischen Subjekts.

2. Der kapitalistische Gesamtprozess muss als in sich reflektiert begriffen werden
Die Kategorien des Anfangs stehen analytisch noch in einem einfachen, d. h. in einem Ableitungsverhältnis zueinander. Den Gesamtprozess, den Marx mit der Bewegung G-G’ ausdrückt, kennzeichnet offensichtlich ein anderer Zusammenhang. Im Hinblick auf das „methodische“ Vorgehen einer adäquaten Analyse bedeutet dies, dass der Inhalt, also die Arbeit als Vermittlung, nicht an sich vorausgesetzt werden kann. Die Form, d.h. der Wert, leitet sich nicht einfach aus dem Inhalt ab, sondern dieser hat wiederum die Form des Werts erst zur Voraussetzung. Dies zeigt sich auch darin, dass die Zirkulationssphäre als Austauschprozess der Waren einerseits zwar Resultat der Produktionssphäre ist, andererseits setzt aber die Produktionssphäre genauso die Zirkulationssphäre voraus. In diesem Sinne bilden beide ein System der Rückkopplung des Werts auf sich selbst, der sich in einer „Zirkelbewegung“ (Marx) des Kapitals darstellt. Zirkulation und Produktion bilden im Gesamtprozess des Kapitals, der beide Sphären abwechselnd durchläuft, ein gegenseitiges Voraussetzungsverhältnis. Dieses spezifische, rückbezügliche Verhältnis des Werts zu sich selbst drückt zugleich seine Verselbständigung aus. Marx fasst dies in den Grundrissen an zwei Stellen folgendermaßen zusammen:

„In der einfachen Zirkulation erscheint der verselbständigte Tauschwert, das Geld als solches, immer nur als Resultat, caput mortuum der Bewegung. Es muss ebenso als ihre Voraussetzung erscheinen; ihr Resultat als ihre Voraussetzung, und ihre Voraussetzung als ihr Resultat“ (Grundrisse, S. 937).

„(…) die Zirkulation selbst nicht mehr als bloß formaler Prozess, worin die Ware ihre verschiednen Bestimmungen durchläuft, sondern der Tauschwert selbst, und zwar der im Geld gemeßne Tauschwert, muss als Voraussetzung selbst als von der Zirkulation gesetzt und als von ihr gesetzt ihr vorausgesetzt erscheinen“ (Grundrisse, S. 931).

Das Gesamtverhältnis muss also als in sich reflektiertes bestimmt werden: Das Verhältnis der Privatproduzenten, die sich über Arbeit bzw. ihre Arbeitsprodukte vermitteln, ist zugleich Voraussetzung und Resultat der Zirkulation. Denn die Rückkopplung des Werts auf sich selbst stellt sich in der Gestalt dar, dass das Resultat zugleich seine Voraussetzung ist. Die Produktion bzw. die Arbeit (= Inhalt) ist die Voraussetzung des Werts (= Form) bzw. des Geldes und dessen Zirkulation im Austauschprozess. Umgekehrt ist die Form wiederum dem Inhalt vorausgesetzt: Keine Produktion ohne vorausgesetztes Geldkapital. Die adäquate Bestimmung des Gesamtverhältnisses zielt damit auf die spezifische Struktur der Kategorien der politischen Ökonomie: die Form der Selbstreflexion der Arbeit und des Werts. Diese Selbstreflexivität des Systemzusammenhangs und damit des Gegenstandes der Analyse muss sich in der kritischen Darstellung widerspiegeln und zwar als Spezifik einer selbstreflexiven „Methode“. Diese allgemeinen Bestimmungen über den in sich reflektierten Gesamtprozess sollen im Folgenden wieder näher erläutert werden.

a) Arbeit als Selbstvermittlung

Wie wir in Punkt 1. sahen, ist auf der Ebene der einfachen Zirkulation bzw. den einfachen Bestimmungen das Wesen des Kapitals noch nicht als Verselbständigung gefasst: dass sich nämlich die Form durch den Inhalt und der Inhalt durch die Form konstituiert. Die einfachen Kategorien stehen noch nicht in einem selbstreflexiven Verhältnis, sondern aus der Arbeit wird eindimensional die Form des Werts bloß abgeleitet – auch wenn wir annehmen, dass der Inhalt historisch-spezifischen Charakter hat. Dies kommt auch darin zum Ausdruck, dass in der einfachen Zirkulation der Wert im Konsum und im Gebrauchswert erlischt. Anfang und Endpunkt in dieser Vermittlung ist stets der Gebrauchswert. Der eine Privatproduzent tauscht seine Arbeit gegen die Arbeit eines anderen aus, um an dessen Gut zu gelangen. Ziel und Zweck der Bewegung wäre nur der Stellenwechsel des Gebrauchswerts. Die Erzeugung und der Konsum von Gebrauchswerten wäre also die Grundlage des Prozesses. D. h. aber auch, dass der Charakter dieser einfachen Vermittlung dem Gebrauchswertaspekt subsumiert ist. In dieser Bestimmung resultiert die Wertkonstitution der Arbeitsprodukte als Waren aus der Orientierung auf den Gebrauchswert. Die Abstraktion des Werts, die sich in der Wertgegenständlichkeit der Waren ausdrückt, ist hier selbst aus dem Begriff des Gebrauchswerts abgeleitet und setzt damit diesen als gegeben voraus. Der Wert wäre demnach nicht selbständig und setzte sich daher auch nicht im Prozess der eigenen Verwertung selbst, sondern er hätte im Gebrauchswert seinen äußeren Grund.

Resultierte die Wertgegenständlichkeit der Waren tatsächlich aus der Produktion von Waren im Hinblick darauf, dass sie zwischen den Bedürfnissen der jeweiligen Produzenten vermittelt, so wäre genau dieser Gebrauchswertaspekt der Gehalt der Wertkonstitution und Geld wäre nur ein geschickt ausgedachtes Hilfsmittel. Der Wert wäre hier etwas unselbständiges. Zwar auch eine Abstraktion, aber eine, die konkret-stoffliche Bedürfnisse vermittelt. Würden wir also den Begriff der abstrakten Arbeit so fassen, so wäre er den tatsächlichen Verhältnissen nicht angemessen. Denn den Kapitalismus kennzeichnet gerade eine gesellschaftliche Vermittlungsform, die die Gebrauchswerte nicht als Ziel und Zweck der Tätigkeiten setzt. Die Gebrauchswerte in der warenproduzierenden Gesellschaft dienen nicht einem sinnlich-stofflichen Gebrauch, sondern vielmehr der Darstellung von Wertgegenständlichkeit. Dies ist der tatsächliche Inhalt des Gebrauchswertbegriffs. Für die Einzelnen erscheint zwar ihre Vermitteltheit mit dem Gesamtzusammenhang als an den sinnlich-stofflichen Bedürfnissen orientiert und der Wert bzw. das Geld als bloßes Hilfsmittel für diesen Prozess. In der gesellschaftlichen Gesamtbewegung ist die Wertkonstitution als gesellschaftliche Abstraktion aber gerade nicht eine abgeleitete und damit unselbständige Abstraktion. Der Charakter des Werts besteht vielmehr darin, Selbstzweck zu sein. Indem er sich auf sich selber bezieht, hat er sich selbst zur Voraussetzung und ist damit auch zugleich sein eigenes Resultat. Sein Charakter bildet sich ab in einem Kreislaufprozess. Da der Ausgangspunkt die gleiche Qualität aufweist wie der Endpunkt, also keine inhaltliche Differenz vorliegt, so kann der Zweck nur die quantitative Vermehrung sein: das Anwachsen von Wertmasse bzw. der Masse von Wertgegenständlichkeit.

Wir könnten auch sagen, dass der Wert sich selbst zum Inhalt hat bzw. dass die Form, die die Arbeit im Wert annimmt, sich auf sich selbst rückkoppelt. Die allgemeine Wertgegenständlichkeit, die im Geld ausgedrückt ist, ist somit die Voraussetzung und zugleich das Ziel der ganzen Bewegung. Deren Ziel ist es, einen Zuwachs an Wert zu realisieren.

b) Kapital als Gesamtbewegung

Die Waren, wenn sie in die Zirkulation eintreten, sind demnach nicht Resultat der „einfachen“ Produktion von Waren, deren Wertform letztlich im Gebrauchswert bzw. im Verbrauch einer anderen Ware erlischt. Sie sind vielmehr Ergebnis eines Prozesses, in dem die veräußerlichte, im Geld dargestellte Wertgegenständlichkeit nicht nur einfache vermittelnde Funktion hat, sondern vielmehr selbst Voraussetzung und Ziel des gesellschaftlichen Prozesses ist. Die Bewegung G-W-G‘ beschreibt diese Verselbständigung. Hierin ist der Wert Ausgangs- und Endpunkt und somit der Wert verselbständigter Wert, d. h. Kapital. Im Begriff der kapitalistischen Totalität, die diese Verselbständigung auf den Begriff bringt, wird die gesellschaftliche Beziehungsform adäquat bestimmt: ein gesellschaftlicher Prozess, der sich selbst zur Voraussetzung hat, sich darin selbst setzt und deswegen sich selbst vermittelt (siehe Postone 2003). In diesem Sinne ist der Wert die Vermittlung mit sich selbst, also Selbstvermittlung und nicht einfache Vermittlung, die nur im Gebrauchswert einer anderen Ware endet.

Die Bewegung der Verwertung des Werts beschreibt die Rückkopplung des Werts auf sich selbst. Auf dieser Ebene der Bestimmung drückt die Bewegung nur den Anfang und den Endpunkt des Werts aus. Der Prozess ist aber wesentlich ein inhaltlicher Prozess; das Kapital existiert nicht nur an sich, sondern bezieht sich notwendig auch auf sein Anderes. Dieses Andere ist aber nicht ein unmittelbarer Gebrauchswert, sondern ein ganz spezifischer für das Kapital. Es ist der Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft, der darin besteht, mehr an Wert zu schaffen als diese Arbeitskraft selbst darstellt. Damit ist sie der Gebrauchswert, der erst den Tauschwert der Ware Arbeitskraft ermöglicht. In dieser Bewegung vermittelt sich das Kapital in Form von toter, bereits vergegenständlichter Ware mit seinem Gegenteil, die lebendige, noch zu vergegenständlichende Arbeit. D. h. der Wert muss sich substanziell im Arbeitsprozess mit sich selbst vermitteln. Ausgangspunkt und Voraussetzung für die Verwertung ist die Wertgegenständlichkeit als Darstellung vergangener Arbeit am Produkt.

Der verselbständigte Tauschwert bezieht sich auf seinen Inhalt, indem er sich im Arbeitsprozess selbst setzt. Ziel und Zweck ist stets nur die Wiederherstellung der eigenen Voraussetzung bei zugleich ständig zunehmender Quantität.

3. Die Vermittlung von Form und Inhalt
Bezüglich des Verhältnisses von Form und Inhalt unterscheidet Marx also im wesentlichen zwei Ebenen: Auf der Ebene der einfachen Kategorien und ihrer Beziehungen ist die Arbeit, d. h. der Inhalt gesetzt als Voraussetzung und der Wert bzw. seine Darstellungsform als Geld werden als Resultat und Form aus dieser Anfangsbestimmung abgeleitet. Form und Inhalt bilden aber, wie gesehen, im Gesamtprozess ein gegenseitiges Voraussetzungsverhältnis. Das heißt aber: Die Form der gesellschaftlichen Beziehungen als Verhältnis von Privatproduzenten, die sich über Arbeit vermitteln, kann nicht aus sich selbst begriffen werden, sondern nur in Bezug auf das Ganze im Prozess des Sichselbstsetzens des Werts: Der Wert setzt notwendig seine eigene Voraussetzung. In diesem Zusammenhang bedeutet dies, dass die Arbeit als einfache gesellschaftliche Vermittlung von getrennten Privatproduzenten noch nicht das Gesamtverhältnis adäquat ausdrückt. Denn die Arbeit ist von ihrem Wesen her vielmehr Selbstvermittlung. Vor diesem Hintergrund des Gesamtprozesses ist somit der Inhalt erst zusammen mit der Form adäquat zu bestimmen. Marx konnte sich in seiner Darstellung der in sich reflektierten Zusammenhänge zwischen den Kategorien auf die Hegelsche Logik stützen, indem er sie gleichzeitig ihrer Mystifikation entkleidete.

In der Untersuchung von Stapelfeldt wird die enge Verknüpfung zwischen dem methodischen Vorgehen von Marx und der Hegelschen Perspektive aufgezeigt. Zentral ist dabei, dass die Kategorien des Anfangs, also die einfachen Kategorien der Arbeit, des Werts, des Geldes nur in Zusammenhang des Gesamtprozesses adäquat bestimmt sind. D. h. aber „methodisch“, dass das „Fortbestimmen ein Rückgang zum Anfang“ (Stapelfeldt 2009), eine Rückbestimmen des Anfangs ist. Das betrifft nicht nur die rückbezügliche Bestimmung der Wertsubstanz, sondern auch Kategorien wie z. B. den Gebrauchswert. Der adäquate Bedeutungsgehalt der Kategorien erschließt sich also nicht vom Anfang her, sondern ihrem Wesen nach erst im Kontext der Gesamtbewegung. Vor diesem Hintergrund des notwendigen Bezugs einer kritischen Analyse auf den Gesamtprozess ist die Forderung von Backhaus, wonach der Inhalt nicht einfach vorauszusetzen sei, sondern vielmehr erst mit der Form zu entwickeln, durchaus treffend (siehe Backhaus 1997, S. 43). Diese kurzen Bestimmungen über das Verhältnis zwischen Inhalt und Form sollen nun näher erläutert werden.

4. Kapital und Arbeit: Voraussetzung und Resultat

Die Bewegung der Verwertung des Werts hat die Wertgegenständlichkeit als ihren „Ausgangspunkt, und durch ihre eigne Bewegung geht sie in die Tauschwerte schaffende Produktion als ihr Resultat zurück“ (Grundrisse, S. 180). Wertgegenständlichkeit ist Resultat vergegenständlichter Arbeit. Zugleich ist aber diese Wertgegenständlichkeit Ausgangspunkt und Grund der Produktion. Der Wert geht also zurück in die Produktion und wird darüber vermittelt zu seinem eigenen Resultat. Der Produktionsprozess hat demnach den Wert zur Voraussetzung, genauso wie er das Resultat des Prozesses ist. „Die Produktion selbst ist hier nicht mehr vor ihren Resultaten vorhanden, d. h. vorausgesetzt; sondern sie erscheint als diese Resultate zugleich selbst hervorbringend; aber sie bringt sie nicht mehr hervor, wie auf der ersten Stufe, als bloß zur Zirkulation führend, sondern zugleich die Zirkulation, die entwickelte Zirkulation in ihrem Prozess unterstellend“ (ebd.).

Die Crux an der Sache ist, dass der Arbeitsprozess als Vergegenständlichungsprozess Resultat vergangener Vergegenständlichung ist. Gleichzeitig schafft er aber selbst wieder Wertgegenständlichkeit, und zwar höherer Quantität. Damit wird aber auch der absurde Selbstzweck des ganzen Prozesses deutlich. Sowohl der Wert als auch die Arbeit reproduzieren sich in diesem Prozess, um ihre Bewegung dann wieder von Neuem zu beginnen.

Der verselbständigte Wert vollführt eine Bewegung, in der er sich auf sich selbst bezieht bzw. auf sich selbst rückkoppelt. Als Geld- bzw. Kapitalform, in der sich die allgemeine Wertgegenständlichkeit darstellt, ist er konstitutiv verselbständigte Form. Da das Kapital in seinen verschiedenen Momenten wie Geld- und Warenkapital aber nur die Äußerungsform eines inneren Gehaltes sein kann, bezieht sich der Wert notwendig auf sein eigenes Gegenteil, den Prozess der Vergegenständlichung von Arbeit. In dieser vermittelt sich tote, bereits vergegenständlichte Arbeit mit lebendiger Arbeit zu einer stofflich-dinglich neuen Gegenständlichkeit. Damit stellt die Bewegung im laufenden Prozess ihre eigenen Voraussetzungen her: Die Kapitalform ist Voraussetzung im Vergegenständlichungsprozess der Arbeitskraft, d. h. der Vermittlung von lebendiger und toter Arbeit. Die neu konstituierte Wertgegenständlichkeit stellt sich dann vermittelt über die allgemeine Wertgegenständlichkeit als ein Zuwachs von Kapital und damit von neuer bzw. vermehrter toter Arbeit dar. Das Kapital als Geld verwandelt sich also im Verwertungsprozess von der äußerlichen Form in die Form von Produktionswertgegenständlichkeit von toter und lebendiger Arbeit, um aus diesem Prozess als Mehrwert (= mehr toter Arbeit) hervorzugehen.

Die Form als Kapital bezieht sich auf ihr Gegenteil, ihren Inhalt, nämlich auf die gesellschaftliche Substanz der Vermittlung über Arbeit als Arbeitskraft. Damit ist die Produktion von Wert schon immer Mehrwertproduktion. D. h. die Arbeit ist nicht nur Wertgegenständlichkeit schaffend, sondern Mehrwertgegenständlichkeit. Die produzierten Waren sind schon immer Produkte, deren Produktionszweck es ist, mehr Wert darzustellen.Hier wird deutlich, welchen Realitätsgehalt die Hegelschen Begriffe von Sein bzw. Schein und Wesen, Form und Substanz im Licht ihrer Marxschen Interpretation haben: Es ist vom Schein, d. h. der Äußerlichkeit des Werts im Geld und damit der äußerlichen Form auszugehen und in das Wesen, d. h. in den wertsetzenden Prozess zurückzukehren.

5. Gesamtprozess, lebendige Arbeit und Fetisch
Die Logik der Verwertung, von Marx zusammengefasst als G-G‘, hat den Charakter einer Bewegung, die sich selbst voraussetzt und sich dabei nur wieder selbst reproduziert und selbst vermittelt. Als Prozess, der sowohl die Produktion wie die Zirkulation durchläuft, ist sie die Bewegungsform der sich selbst setzenden Arbeit, die im Geld die äußere Form ihre Voraussetzung hat. Die Dimension des Objektiven wie des Subjektiven sind darin vermittelt: einmal der Wert als Masse vergegenständlichter somit toter Arbeit und andererseits die lebendige Arbeit mitsamt der Reproduktion der privaten Form und der isolierten Einzelnen.
Für die Besitzer der Ware Arbeitskraft ist es nun allerdings subjektiv gesehen so, dass ihre für sich genommene Vermittlung darin besteht, ihr Arbeitsvermögen wegzugeben und dafür – vermittelt über das Geld – Gebrauchswerte zu erwerben. Sie verwandeln im Tausch „ihr eigenes Produkt“, den Tauschwert „lebendige Arbeit“, in ein Lebensmittel für sich. In diesem Verhältnis dient demnach die Arbeit für die Arbeitssubjekte tatsächlich als Tauschmittel für einen konkret-inhaltlichen Zweck.

„Aber, was das Wesentliche ist, der Zweck des Austauschs für ihn (den Arbeiter, KL) ist die Befriedigung seines Bedürfnisses. Der Gegenstand seines Austauschs ist unmittelbarer Gegenstand des Bedürfnisses, nicht der Tauschwert als solcher. Er erhält zwar Geld, aber (…) nur als sich selbst aufhebende und verschwindende Vermittlung“ (MEW 42, S. 195). Im Vermittlungsverhältnis der Arbeit, wie sie sich für die Arbeitssubjekte darstellt, endet die Bewegung mit dem Konsum der Gebrauchswerte. In der Fetisch-Perspektive der Arbeitssubjekte hat der Selbstvermittlungsprozess den Charakter der einfachen Vermittlung: als bloße Produktion von Waren zur Konsumtion von Waren. Diese Sichtweise, die aus der spezifischen Beziehung der Arbeitssubjekte im verselbständigten Vermittlungsprozess der Arbeit resultiert, ist charakteristisch für das systematische Verkennen des Gesamtzusammenhangs der Selbstvermittlung der Arbeit und – was damit zusammenhängt – der historischen Spezifik dieses Verhältnisses.

Sowohl für die ökonomischen Wissenschaften wie für den Alltagsverstand scheint nichts selbstverständlicher zu sein, als dass der Mensch ein arbeitendes Wesen ist, das zur eigenen Bedürfnisbefriedigung unabhängig von anderen Güter herstellt, um diese dann vermittelt über das Geld zu tauschen. Auch in der Redeweise, der Arbeiter würde mit dem Verkauf seiner Arbeitskraft „sein Brot“ verdienen, kommt das fetischistische Verständnis der einfachen Vermittlung schlagend zum Ausdruck. Marx hat im Kapitel über den Fetischcharakter der Ware den Fetischismus als notwendig falsches Bewusstsein verkehrter gesellschaftlicher Verhältnisses bestimmt. D. h., dass sich die historisch spezifischen gesellschaftlichen Beziehungen nicht als eben diese gesellschaftlichen Beziehungen darstellen, sondern stattdessen als dinglich erscheinen, ja dinglich erscheinen müssen. Er schreibt: „Den (Produzenten) erscheinen (…) die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d. h. nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen (…), sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen“ (MEW 23, S. 87). Ebenso erscheint die gesellschaftliche Vermittlung im Rückkopplungsprozess der Arbeit auf sich selbst als das, was diese für die Privatproduzenten ist: als einfache Vermittlung der Warensubjekte, d. h. als Produktion von Waren zum Zweck der Bedürfnisbefriedigung. „In der Tat, wenn wir den Zirkulationsprozess genau betrachten, so ist die Voraussetzung, dass die Austauschenden als Eigentümer von Tauschwerten erscheinen, d. h. von Quantitäten Arbeitszeit materialisiert in Gebrauchswerten. Wie sie zu Eigentümern dieser Waren geworden sind, ist ein Prozess, der hinter dem Rücken der einfachen Zirkulation vorgeht, und der erloschen ist, bevor sie beginnt“ (MEW 42, S. 902).

Marx unterscheidet, wie wir sahen, zwischen der einfachen Form der Vermittlung und dem diese Form einschließenden Gesamtprozess der Zirkulation des Geldes als Kapital. Wird die Arbeit von der zirkulativ verkürzten Perspektive der Vermittlung zum Zweck der Gebrauchswertproduktion her bestimmt, so wird das gesellschaftliche Verhältnis so wahrgenommen, wie es sich für die Warensubjekte als Waren- und Arbeitsfetisch darstellt und nicht wie es als Gesamtprozess an sich ist. Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Produktionsprozess erscheint den Arbeitssubjekten nicht als Selbstvermittlung der Arbeit mit dem absurden Zweck, der Vermittlung von toter und lebendiger Arbeit zu mehr toter Arbeit, sprich aus Geld mehr Geld zu machen, sondern als ontologische Beziehung von Produzenten, die Güter herstellen, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen. Der Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft, die Wert setzt und im Selbstvermittlungsprozess auf sich selbst rückgekoppelt wird, verschwindet für die fetischistische Wahrnehmung des ökonomischen Prozesses hinter der angeblichen Gebrauchswertorientierung der einfachen Warenproduktion. „Vom Standpunkt der einfachen Zirkulation (…) sind diese Verhältnisse ausgelöscht“ (MEW 42, S. 907).

6. Formentheorie jenseits einer selbstreflexiven Beziehung zwischen Inhalt und Form

Wir sahen in den bisherigen Ausführungen, dass die einfache Beziehung zwischen Arbeit (Inhalt) und Form (Wert) nicht ausreicht, um den selbstbezüglichen Charakter der kapitalistischen Gesellschaft zu bestimmen. Vielmehr ist erst mit dem Begriff der Selbstreflexivität der Gesamtprozess des Kapitalverhältnisses adäquat beschrieben. Diesen Bestimmungen liegt indes ein historisierendes Verständnis von Arbeit überhaupt zugrunde, d. h. die historische Spezifik des Kapitalismus besteht darin, dass der Arbeit die gesellschaftliche Funktion der Vermittlung oder besser gesagt Selbstvermittlung zukommt. Der traditionelle Marxismus war weit davon entfernt, ein kritisches und historisierendes Verständnis der Vermittlung über Arbeit zu entwickeln. Mit seinem positiven Standpunkt der Arbeit hat er systematisch über die Verselbständigung der Arbeit zum „automatischen Subjekt“ hinweggesehen.

Die entscheidende Leerstelle der kritischen Bestimmung der Spezifik kapitalistischer Verhältnisse als Selbstvermittlung der Arbeit und des Werts ist aber nicht nur charakteristisch für den traditionellen Marxismus. Auch Autoren, die sich nach 1968 an eine Neulektüre und Reformulierung der Marxschen Kritik machten, kritisierten letztlich nicht die Kategorie der Arbeit, sondern setzten diese als überhistorische Bestimmung voraus. Dies trifft letztlich auch auf Autoren wie Helmut Brentel und Gerhard Stapelfeldt zu. Deswegen konnte auch letzterer die selbst formulierte und durchaus treffende Forderung einer adäquaten Kritik der Form-Inhalts-Dialektik von Wert und Arbeit letztlich nicht einlösen.

Insbesondere die Perspektive Brentels blendet die Kritik der Arbeit von Marx aus und begreift das Wesen kapitalistischer Beziehungen ganz traditionell als Klassenverhältnis und als Klassenherrschaft. Damit bleibt Brentel explizit dem Verständnis der Arbeiterbewegung verhaftet, indem er Arbeit als ewige Bedingung und als ontologisches Zentrum von Gesellschaftlichkeit begreift.

Dies hat Konsequenzen für den Gegenstand der Untersuchung: Weil Brentel den Wert bzw. die Wertgegenständlichkeit nicht als Form des Produkts in der historisch-spezifischen Vermittlungsbewegung über Arbeit fassen kann, nimmt in seiner Perspektive der Tauschprozess eine zentrale theoretische Stellung ein: „Erst in der Äquivalentform gewinnt die abstrakte Arbeit reale Existenz. Und zweitens zeigt sich im Äquivalenz-Ausdruck, wie in dieser Beziehung der Waren aufeinander als der Gleich-Setzung der konkreten Arbeiten der ‚Wert‘ als ihre gemeinsame qualitative Vergleichbasis überhaupt erst wirklich konstituiert wird, wie erst mit ihrer Darstellung im Äquivalentausdruck die konkreten Arbeiten zu allgemeiner Arbeit ‚abstraktifiziert‘ werden“ (Brentel 1989, S. 311). Brentel sieht den „ Abstraktifierungsprozess“ aber nicht nur im einfachen Austausch, sondern v. a. auch im Austausch von Kapital und Arbeit.

Zuletzt sei nochmals ein Blick auf die schon eingangs erwähnte Kritik von Robert Kurz an der Marxschen Perspektive geworfen, die dieser in seinem Buch „Geld ohne Wert“ formuliert hat. Der darin vorgetragene Vorwurf, Marx begriffliche Formulierung der einfachen Formen stehe in der Tradition eines „methodologischen Individualismus“, gehen meiner Ansicht nach völlig an der darstellungslogischen Struktur der Marxschen Kritik vorbei.

Die einfachen Formen sind, wie sich in den bisherigen Ausführungen zeigte, notwendige Bestimmungen, die dann aber durch den Übergang zu den entwickelten Formen reflexiv aufgehoben werden. Eine adäquate Darstellung der Totalität des Gesamtprozesses lässt sich nur gewinnen, wenn zunächst von diesen Erscheinungsformen ausgegangen wird. Erst von dort aus lässt sich ein Begriff der Gesamtbewegung und der Selbstvermittlung von Arbeit und Wert gewinnen.

In Kurz‘ Kritik sind die einfachen Formen, also die Bewegung W-G-W, nicht als reale Momente des Erscheinens der Gesamtbewegung gefasst, sondern nur als bloßer Schein im Sinne einer Täuschung. In der Marxschen Analyse, so zeigten die obigen Ausführungen hingegen, sind die einfachen Formen jedoch der „reale Schein“ (Marx), den der Gesamtprozess notwendig annimmt. Für die Arbeitskraft beispielsweise nimmt die Gesamtbewegung der Wertverwertung, dessen Moment sie ist, die Form der einfachen Vermittlung an. Sie verkauft ihre Ware, um damit andere Waren, die Konsummittel, zu kaufen. Der übergeordnete Prozess G-W-G‘ stellt sich für die Einzelnen als einfache Form W-G-W dar. In der Kritik von Robert Kurz ist dieser Zusammenhang jedoch ausgelöscht. Er begreift die einfache Zirkulation nicht in ihrer Vermitteltheit mit der Totalität der Gesamtbewegung, sondern nur als historische Phase in der Durchsetzungsgeschichte des Kapitals. Innerhalb der durchgesetzten Formen komme ihr kein Realitätsgehalt mehr zu. Die begrifflich-logische Entwicklung wird von Kurz also als historische missverstanden. Im durchgesetzten Kapitalismus gibt es laut Kurz die Zirkulation überhaupt nicht mehr: „Streng genommen ist die ‚Zirkulation‘ überhaupt nur ein Phänomen der konstituierenden Transformation aus den vormodernen Verhältnissen heraus, also eine historisch verschwindende Erscheinung des Übergangs (…) Es gab in den früheren Formationen noch keine Zirkulation und es gibt sie im voll ausgebildeten Kapitalismus nicht mehr. Denn für den ‚Gang in sich‘ des fertigen, auf seinen eigenen Grundlagen sich fortentwickelnden Kapitals ist der Begriff schon wieder obsolet“ (Kurz 2012, S. 157).

Kurz verfehlt mit dieser Perspektive das Verhältnis zwischen den verschiedenen Ebenen von Erscheinung und dem kapitalistischen Wesen. Seine berechtigte Kritik an einer gewissen Zirkulationsfixiertheit schießt daher weit über das Ziel hinaus. Statt die Zirkulation als notwendige Oberflächenform der übergreifenden Kapitalbewegung zu fassen, bestreitet Kurz deren Existenz. Was die begriffliche und darstellungslogische Dimension einer Rekonstruktion der realen Verhältnisse angeht, so ist bei Kurz die einfache Bewegung W-G-W nicht der notwendige Anfang der Verhältnisse, wie sie an der kapitalistischen Oberfläche erscheinen, sondern bloß eine erkenntnistheoretische Hilfskonstruktion ohne eigenen Stellenwert. Laut Kurz „bezeichnet die Formel (W-G-W; KL) gar keinen realen Vorgang, sondern ist nur ein heuristisches Hilfsmittel bei der Marxschen Rekonstruktion des wirklichen Verhältnisses. Er muss die falsche Formel des Augenscheins virtuell aufstellen, um die richtige Formel der verborgenen, realen Bewegung erklären zu können“ (ebd., S. 158). An dieser Stelle wird deutlich, dass Kurz die methodischen Prämissen von Marx in Bezug auf das Verhältnis von Wesen und notwendiger Erscheinungsform missversteht. Die Erscheinungsformen und deren begriffliche Rekonstruktion sind nicht einfach falsch, sondern die Analyse kann nur vom „realen Schein“ der Verhältnisse ausgehen, um im Laufe der kategorialen Entwicklung die Vermitteltheit dieser Realität der Erscheinungen mit dem verborgenen Wesen aufzuzeigen.

Kurz‘ Intention ist zwar bis zu einem bestimmten Grad nachvollziehbar, denn schließlich zielt sein Anliegen auf die Analyse der kapitalistischen Verhältnisse als Gesamtzusammenhang. Da er aber die Erscheinungsformen, von denen die Marxsche Analyse ihren Ausgang nimmt, mit dem „methodologischen Individualismus“ kurzschließt und damit als bloße bürgerliche Verblendung wegstreicht, hat er sich jedoch selbst der Mittel entledigt, die kapitalistische Totalität begrifflich-logisch darstellen und entwickeln zu können. Letztlich bleibt ihm nur der Schwenk hin zu einer historischen Erklärung der Totalität (Kurz 2012, S. 55 und S. 173f.), die aber den inneren logischen Zusammenhang der Kategorie der Kritik der politischen Ökonomie nicht fassen kann. Marx zu unterstellen, dass er genauso wie die positivistische Wissenschaft den Erscheinungsformen, „dem Schein, den die Verhältnisse notwendig werfen“ (Marx), erlegen wäre, verkennt auf fundamentale Weise die immanente Struktur seiner Kritik.

Literatur:

Backhaus, Hans-Georg (1997): Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur Marxschen Ökonomiekritik; Freiburg i. Br.

Brentel, Helmut (1989): Soziale Form und ökonomisches Objekt. Studien zum Gegenstands- und Methodenverständnis der Kritik der politischen Ökonomie; Opladen

Kurz, Robert (2012): Geld ohne Wert. Grundrisse zu einer Transformation der Kritik der Politischen Ökonomie; Berlin

Lohoff, Ernst (2018): Zwei Bücher, zwei Standpunkte. Zur Diskussion um Die große Entwertung und Geld ohne Wert. https://www.krisis.org/2017/zwei-buecher-zwei-standpunkte/

Lewed, Karl-Heinz (2016): Rekonstruktion oder Dekonstruktion? Über die Versuche von Backhaus und der Monetären Werttheorie, den Wertbegriff zu rekonstruieren. Krisis 3/2016. https://www.krisis.org/2016/rekonstruktion-oder-dekonstruktion-krisis-32016/

Lewed, Karl-Heinz (2021): Beziehungsstörung Kapitalismus, Krisis 1/2021. https://www.krisis.org/2021/beziehungsstoerung-kapitalismus/

Marx, Grundrisse = Marx, Karl: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie; (Rohentwurf); Frankfurt, Wien; zuerst 1939 und 1941.

MEW 23 = Marx, Karl: Das Kapital, Band 1, Marx-Engels-Werke Bd. 23, Berlin 1983

MEW 42 = Marx, Karl: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, in: Marx-Engels-Werke Bd. 42, Berlin 1983

Postone, Moishe (2003): Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft. Eine neue Interpretation der kritischen Theorie von Marx; Freiburg i.Br.

Stapelfeldt, Gerhard (2009): Das Problem des Anfangs in der Kritik der Politischen Ökonomie von Karl Marx. Zum Verhältnis von Arbeitsbegriff und Dialektik; Hamburg

1 Hans Georg Backhaus und Helmut Reichelt gingen in ihren jeweiligen Arbeiten davon aus, dass Marx‘ „Methode“ im Kapital versteckt ist; ihr Ziel war es, diese offenzulegen und dadurch zugänglich zu machen.

2 Siehe Lewed 2016, „Rekonstruktion oder Dekonstruktion“.

3 Das bürgerliche Methodenverständnis kann hier nur kurz skizziert werden. Dies dürfte indes ausreichen, um die Differenz zur Marxschen Kritik deutlich zu machen.

4 Backhaus hatte in seinem Artikel „Dialektik der Wertform“ schon die Wichtigkeit dieser Frage hervorgehoben, ohne allerdings jemals eine Antwort darauf zu finden (siehe Backhaus 1996, Lewed 2016).

5 Siehe dazu „Beziehungsstörung Kapitalismus“ (Lewed 2021, insbesondere S. 20-27).

6 Siehe Grundrisse: Kritik an Proudhon, S. 151ff.