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krisis

Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft

Krisis 25 (2002)

31.12.2002 Beitrag drucken

Gebrochene Negativität

Anmerkungen zu Adornos und Horkheimers Aufklärungskritik [PDF]

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Krisis 25 – Inhalt

Inhalt – krisis 25

5 Editorial
21 Claus-Peter Ortlieb

Die Aufklärung und ihre Kehrseite

Zur Rettung einer “banalen Einsicht”

9 Norbert Trenkle

Gebrochene Negativität

Anmerkungen zu Adornos und Horkheimers Aufklärungskritik

66 Robert Kurz

Blutige Vernunft

20 Thesen gegen die sogenannte Aufklärung und die westlichen Werte

98 Ernst Lohoff

Antikapitalistisches Frühlingserwachen?

Die Globalisierungskritik zwischen Krisenverwaltung und Emanzipation

121 Anselm Jappe

Des Proletariats neue Kleider

Vom Empire zurück zur Zweiten Internationale

138 Udo Winkel

Unsystematische Gedanken zur Aufklärungsproblematik

142 Roger Behrens

Jeder ist sein eigenes Würstchen.

Oder: Naive und Kritische Theorie

150 Ernst Lohoff

Frankenstein kann es nicht richten

155 Torsten Liesegang

Die Wiederkehr der Popliteratur als Farce

163 Ernst Lohoff

Die Geister, die sie riefen

166 Udo Winkel

Legenden vom Werden und Mythos der Nation

Das Gesamtinhaltsverzeichnis der Krisis-Ausgaben ist im Internet abrufbar unter: www.krisis.org


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Krisis 25 – Editorial



Wir leben in Zeiten okzidentaler Verbrüderung. Kein Orden, der nicht Treueschwüre und Dankesbriefe ans Pentagon schickt. Darüber sollten kleinere Rangeleien (z. B. EU contra USA) nicht hinwegtäuschen. Auch nicht, dass die Treue nicht persönlich, sondern ganz sachlich verstanden wird, sie gilt nicht den werten Herren im Weißen Haus, sondern den Herrenwerten der weißen Männer. Ja, um die Zivilisation und um die Aufklärung geht es, das ist der letzte gemeinsame Nenner, für den jetzt im Namen der säkularisierten Religion des Werts Krieg geführt wird.

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Des Proletariats neue Kleider

Vom Empire zurück zur Zweiten Internationalen

Michael Hardt/Antonio Negri, Empire, deutsche Übersetzung von Thomas Atzert und Andreas Wirthensohn, Campus Verlag, Frankfurt / New York 2002, 480 S.

Anselm Jappe

In der New York Times, bekanntlich ein Sprachrohr kritischer Gesellschaftstheorie, feierte Slavoy Zizek das im April 2000 in den USA erschienenem Empire letzten Sommer als das Kommunistische Manifest des 21. Jahrhunderts. Das Buch sei ein „epochemachendes“ Werk, das den Protest wieder in Mode gebracht habe. Ähnlich äußerten sich Time und andere große bürgerliche Organe.Zwar bekamen die Autoren nach dem 11. September in den amerikanischen Medien auch ein wenig Prügel. Aber das Feuilleton haben sie jedenfalls gründlich in Aufregung versetzt.

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Antikapitalistisches Frühlingserwachen?

Die Globalisierungskritik zwischen Krisenverwaltung und Emanzipation

Ernst Lohoff

1.

Der Kontrast könnte kaum schärfer ausfallen. Seit einem Vierteljahrhundert befindet sich die Linke weltweit in der Defensive und im Niedergang. Auf den Zusammenbruch des Realsozialismus folgte die völlige Marginalisierung antikapitalistischer Vorstellungen in den 90er Jahren. Pünktlich zum Jahrtausendwechsel aber scheint sich eine Trendwende anzudeuten. Was mit den Protesten gegen das MAI-Abkommen in Seattle begonnen hatte, erreichte nach der „chilenischen Nacht“ von Genua im Juni 2001 einen ersten Höhepunkt. Eben stand der Zeitgeist noch auf Kapitalismus pur und jedes Infragestellen der Marktimperative galt ihm als so abwegig wie eine Polemik gegen die Schwerkraft und ihre Folgen; plötzlich macht sich Argwohn gegenüber der Diktatur der reinen Marktlogik breit. Der im Gefolge der neoliberalen Revolution triumphierende Sozialdarwinismus neuer, individualisierter Prägung rückt in die Schusslinie. Die Idee der Emanzipation ist gar nicht so mausetot, wie es den Anschein hatte.

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Die Geister, die sie riefen

Anmerkungen zum strukturellen Zusammenhang von Korruption und Kapitalismus

Ernst Lohoff

Die Wanderprediger der totalen Marktwirtschaft beglücken die Öffentlichkeit seit Jahr und Tag mit der gleichen Botschaft: Wirtschaft bedeutet heute immer schon Weltwirtschaft. Im Zeitalter des entgrenzten Marktes gelte es, in globalen Zusammenhängen zu denken. Seltsamerweise ist diese Standardfloskel sofort vergessen, sobald die Rede auf die sich häufenden akuten Kriseneinbrüche kommt. Ob Russland, Lateinamerika oder die vielgerühmten Tigerstaaten heftige Finanzmarkt-Turbulenzen durchmachen und ökonomisch in die Bredouille geraten, die „Ursachenforschung“ kommt immer zum gleichen Ergebnis: hausgemacht, selber schuld. Selbst im Falle Japans, der einstigen – inzwischen allerdings mit einem akut einsturzgefährdeten Bankensektor und einer explodierenden Staatsverschuldung geschlagenen – Wirtschafs-Großmacht, argumentiert die Marktwirtschaftsideologie neunmalklug im Stile einer Prädestinationslehre: Dass eine Volkswirtschaft unter die Räder kommt, ist schon Beweis genug, dass sie den leuchtenden Pfad marktwirtschaftlicher Tugend verlassen hat; deshalb kassiert sie nun ihre gerechte Strafe.

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Die Wiederkehr der Popliteratur als Farce

Torsten Liesegang

„Popliteratur“, im Literaturbetrieb als Signum für eine neue „junge Literatur“ verwendet, ist Teil der nationalkulturellen Erneuerungsversuche, die nach 1989 verstärkt auf allen Gebieten der Kulturproduktion zu beobachten sind. Nach Ausstellungen wie deutschlandbilder. Kunst in einem geteilten Land (1997, Berlin) und der Eindeutschung der Popmusik via Viva und Viva II und beispielhaft in der mehrfach ausgestrahlten TV-Dokumentarreihe Pop2000 wird nun Literatur in eine nationale Matrix eingeordnet. Seit Ende der neunziger Jahre haben Verlage wie Kiepenheuer & Witsch, Argon und Suhrkamp unter dem Sammelbegriff einer „neuen deutschen Popliteratur“ eine überschaubare Anzahl von jüngeren Autoren mit großen Auflagenzahlen etablieren können. Damit wurden nicht neue Erzähl-, sondern neue Vermarktungsstrategien jenseits des traditionellen Literaturbetriebs erfolgreich erprobt, mit einem Autorentypus des jungen, flexiblen Medienarbeiters, der neben der Literatur noch als Gag-Schreiber bei der Harald-Schmidt-Show, Feuilleton-Schreiber bei der FAZ, DJ. etc. fungiert.

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Unsystematische Gedanken zur Aufklärungsproblematik

Diskussionsbeitrag zur Aufklärungs- und Wissenschaftsproblematik angeregt durch die vorgelegten Artikel und Papiere und den kontroversen Diskurs

Du glaubst, du seist dem Kloster entronnen? Es muß jetzt jeder sein Leben lang ein Mönch sein — Sebastian Franck

Wenn wir die Warensubjekte kritisieren, heißt das nicht, daß wir schon keine mehr wären — Claus Peter Ortlieb

Udo Winkel

I.

Wer die Aufklärung zum notwendigen Ausgangspunkt für jedes kritische Denken und jegliche Reflexion erklärt, wie in sich widersprüchlich und dialektisch diese auch gesehen werden mag, kann sich darauf berufen, daß sie natürlich Bedingung der Möglichkeit der Reflexion in der und über die Moderne ist und insofern unhintergehbar bleibt. Jede Fetischform bringt notwendigerweise, durch die vollzogene Objektivierung ein „Subjekt-Objekt-Verhältnis” und damit Reflexion hervor, wie mystifiziert diese auch sein mag. Die Aufklärung kritisiert die Fetischformen der vorbürgerlichen Gesellschaften, wobei die Religionskritik nicht über den Priesterbetrugsvorwurf hinauskommt.

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